Ein Unglück kommt selten allein

25 Nov

Nun sollte es weitergehen in Richtung Nerja, dem geplanten Winterquartier unserer Reise. Unterwegs machten wir einen Zwischenstopp in Huercal-Overa. Dort blieben wir 3 Tage auf einen großen Parkplatz etwas außerhalb von der kleinen Stadt. Der angrenzende, sehr schön angelegte Park mit seinem großen Spielplatz wurde für einen kleinen Ausflug genutzt und die Altstadt für einen Spaziergang.

Planung

Nach den drei Tagen ging es nun weiter in Richtung Almeria. Dort wollten wir auf einem Stellplatz direkt am Hafen übernachten. Da es ziemlich spät war entschieden wir uns spontan für eine Übernachtung an einer Tankstelle an der Autovia. Der nächste Tag sollte dann einer werden den wir sicherlich nicht so schnell vergessen werden.

Am nächsten Morgen wurden die Pläne kurzerhand umgeschmissen und wir entschieden uns weiterzufahren nach El Ejido. Die Fahrt dauerte nicht lange und führte uns auf einem Parkplatz von Carrefour und McDonalds. Dort überlegten wir wie es weitergehen sollte. Zwei Optionen standen zur Wahl:

1. Stellplatz in El Ejido
2. Weiterfahrt nach Nerja

Wohnwagenfenster ade!

Wir entschieden uns letztendlich zur Weiterfahrt, wollten wir doch endlich ankommen. Welche Ereignisse auf uns zukommen sollten konnten wir allerdings noch nicht erahnen.
Während der Autofahrt auf der Autovia 7 in Richtung Malaga wurde es in Küstennähe recht stürmisch, so dass der Wind uns zwang mit Tempo 50 über die Autovia zu „kriechen“. Als wir so im Schneckentempo dahinfuhren wurden wir plötzlich von einem Auto überholt und angehupt. Nichts ahnend schauten wir dann genauer in den Rückspiegel und sahen die Katastrophe. Der Wind hatte unser Seitenfenster des Wohnwagens abgerissen. So klaffte demnach ein 133cm x40cm großes Loch bei uns in der Seitenwand. Natürlich kam zu diesem Zeitpunkt des Entdeckens keine Abfahrt oder eine Parkmöglichkeit in Sicht und machte eine Weiterfahrt demnach notwendig.

Bei der nächsten Abfahrt fuhren wir raus und parkten neben einer Gewächshaus-Gurkenplantage. Wir fragten, mehr mit Händen und Füßen als mit spanisch, einen freundlichen Mitarbeiter nach Hilfe und diese bekamen wir auch. Der Mann gab uns alte dicke Plastikfolie der Gewächshäuser und half uns noch beim saubermachen eben dieser. Wir deckten das Loch ab und verklebten es notdürftig mit Gewebeband. Wir bedankten uns mehrfach bei dem Mann und bekamen zusätzlich noch 9 Gurken geschenkt.

Ein Unglück kommt selten allein

Tank leer

Das nächste Problem das auf uns zukam, war der aufkommen Dieselmangel unseres Zugfahrzeugs. Natürlich war dann bis Nerja keine Tankstelle aufzutreiben und beinahe leer gefahren, fanden wir schließlich doch noch eine kleine in der City von Nerja. Also hieß es Wohnwagen auf einem Parkplatz parken und dann nur noch mit dem Auto zurück zur Tankstelle. Vorher musste Daniela noch eine Bank suchen zum Abheben von Bargeld da wir zu den wenigen Menschen gehören die keine Kreditkarte haben und diese Tankstelle das Bezahlen mit einer normalen Bankkarte nicht akzeptierte. Wir dachten dass es nun ohne Probleme weitergehen könnte, doch das nächste Unglück sollte nicht lange auf sich warten.

Ab in die Berge

Auf der Bergstraße zweigte sich die Straße und wir entschieden uns für die linke. Bereits beim Hochfahren des Berges meinte Daniela plötzlich das dies die falsche Straße sei. Die Wegbeschreibung mit GoogleMaps war schwer zu erkennen und durch fehlendes Mobilfunksignal war auch keine erneute Suche bzw. ein Anruf im geplanten Yoga-Retreat möglich. Auf der schmalen Straße war natürlich an ein Wenden des Gespannes nicht zu denken und so mussten wir gezwungenermaßen weiterfahren. Der Weg führte uns immer weiter den Berg hinauf und die eine oder andere steile Straße stellte uns vor große Herausforderungen. Als wir schließlich eine geeignete Stelle zum Wenden fanden (oder zumindest dachten) kam es zu der ersten kleineren Katastrophe. Der Wohnwagen verhakte sich im Boden und auf dem abschüssigen Gelände war an ein Schieben nicht zu denken. Was also tun? Mitten auf einer Bergstraße in Andalusien ohne das es vorwärts und rückwärts ging, kamen uns außer auf Hilfe zu warten keine geeigneten Ideen, zumal ja auch noch die Kids im Auto saßen. Gezwungenermaßen warteten wir also auf Hilfe die zum Glück nicht allzu lange auf sich warten ließ. Ein Spanier kam den Berg hinab gefahren und konnte uns mit Hilfe seiner Anhängerkupplung und einem dicken Seil aus dem Schlamassel befreien und wir konnten erleichtert den Berg hinunterfahren.

Falsche Entscheidung

Wir hatten nun zwei Optionen zur Auswahl :

1. Den Wohnwagen an einer geeigneten Stelle abkoppeln und den Weg erkunden
2. So weiterfahren und die rechte Abzweigung nutzen.

Wir hatten uns schon fast geeinigt und uns für Option 1 entschieden, als nach wenigen Metern eine geeignete Stelle zum Wenden des Gespanns vor uns auftauchte und spontan nutzten wir diese Möglichkeit. Wir fuhren also diesmal rechts entlang und waren schon zufrieden, da die Straße sich als eben und asphaltiert entpuppte. Nach etwa 3km wurde die Straße enger und enger. Daniela stieg aus und lief vorne weg um den Weg auszukundschaften, ich blieb mit dem Gespann einfach auf der Bergstraße stehen.

Nach gefühltem endlosem Warten fuhr ich Daniela hinterher, rückwärts ging es sowieso nicht also konnte ich auch weiterfahren. Inmitten einer Orangenplantage stand dann Daniela und unterhielt sich mit einem Anwohner. Er machte uns klar dass es hier nicht weitergehen würde mit unserem Gespann und wir drehen mussten. Ich lief zu Fuß noch einige Meter weiter und teilte schließlich die Meinung des Mannes. Eine kleine Einfahrt zu einer Finca sollte unsere Rettung werden und ich versuchte ein Wendemanöver. Die Einfahrt stellte sich allerdings als zu eng dar und der Versuch misslang. Nun stand die ganze Kombination quer zur Straße und außer Abkoppeln war nichts mehr zu machen. Ich lief einige Meter zu einer weiteren Finca und versuchte den Bewohnern mein Problem verständlich zu machen. Sie kamen schließlich mit und sahen sich das Problem an. Einer der Männer holte sein Auto und koppelte es an den Wohnwagen. So wurde der Wohnwagen zum Wenden gebracht und wir konnten die Rückfahrt antreten. Der ganze Stress hatte bei uns deutlich Spuren hinterlassen und mit den Nerven waren wir beinahe schon am Ende. Jetzt mussten wir eigentlich nur noch die Straße zurückfahren, doch bei einer vermeintlich leichten Kurve kam es zum krönenden Abschluss des Tages.

Festgefahren am Berg

Auf einer Steigung und einer engen Linkskurve fuhr ich nicht weit genug in die Kurve hinein und so wollte der zwar das Auto aber der Wohnwagen nicht um die Kurve. Links von der Straße lag ein etwa 20m tiefer Abgrund, recht eine massive Felswand. Also noch mal rückwärts und ein neuer Versuch. Da wir uns jedoch auf einer Steigung befanden, versagte diesmal das Auto. Die Räder drehten durch und keinen Millimeter ging es vorwärts.

Nun standen wir erneut hilflos auf der Bergstraße, doch diesmal blockierten wir so die Straße, dass kein Auto an uns vorbeikommen konnte. Wir mussten also auf Hilfe von vorne hoffen. Und Hilfe sollte nicht lange auf sich warten lassen. Nach wenigen Minuten trafen zwei Fahrzeuge ein, jedoch beide von der falschen Seite. Glücklicherweise konnten wir uns sprachlich mit Französisch verständigen um die missliche Lage zu erklären.

Den Abhang hinunter

Dann startete die Aktion „Rette den Wohnwagen Episode 3“ Der Wohnwagen wurde abgekoppelt und wir fuhren unser Auto in eine kleine Parkbucht etwas weiter auf der Straße. Nach dem Abkoppeln ging es drum den verkeilten Wohnwagen aus der Bergflanke zu befreien. Gemeinsam wurde also geschoben und gerückt und schon bald hatten wir den Wohnwagen befreit und er stand wieder einigermaßen gerade auf der Straße. Wir dachten schon an ein glückliches Ende als plötzlich der Wohnwagen anfing nach hinten zu rollen. Wir versuchten noch ihn aufzuhalten, jedoch keine Chance. Der Wohnwagen rollte in gerade Linie auf die dahinter parkenden Autos zu. Das Ende unserer Reise schien gekommen, als der Wohnwagen aufgrund des Stützrades eine Linkskurve einschlug und in Richtung Abgrund rollte. Dort standen glücklicherweise feste Büsche die den Wohnwagen auffingen. Das war unsere Rettung.

Unsere französisch-spanischen Helfer schlugen nun vor mit ihrem Auto in die andere Richtung zu fahren um von vorne wieder zukommen. So könnte er den Wohnwagen ankoppeln und die Steigung hinaufziehen. Wir stimmten dem Vorschlag zu und waren gerührt von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit mit der man uns entgegentrat. Etwa eine halbe Stunde später kamen die Menschen zurück, er koppelte an und zog den Wohnwagen aus Busch und Fels. Wir baten ihn noch uns ganz von der Bergstraße zu ziehen damit so was nicht noch mal geschieht und auch diese Bitte nahm er an. Er brachte uns an einen Parkplatz, direkt am Meer. Wir bedankten uns mehrfach bei dem Mann und bei seiner Frau und konnten unsere Freude gar nicht in Worte fassen. Wir waren einfach völlig erschöpft von dem anstrengenden Tag und überglücklich mit nur ein paar Kratzern und einem kaputten Rücklicht aus dieser Situation entkommen zu können.

Ein Unglück kommt selten allein

Glücklicher Abschluss in Rio de la Miel

Wir machten noch den Wohnwagen parkfertig, kochten eine Portion Nudeln und fielen todmüde ins Bett. Die nächsten 2 Tage verbrachten wir mit Planungen wie es nun weitergehen sollte. Das wir mit dem Wohnwagen nicht zu unserem Work&Travel fahren konnten war uns beiden sonnenklar. Was sollten wir also nun tun? Wir beschlossen telefonisch Kontakt aufzunehmen um die Situation zu erklären. Unsere Gastgeberin war sehr aufgeschlossen und hatte gleich eine Lösung parat. Sie bat an mich abzuholen und mit ihr hinaufzufahren um mir ein Bild zu machen von dem Haus und dem Grundstück. Ich nahm das Angebot an und wir fuhren den Weg, der noch vor wenigen Tagen beinahe unser Unglück geworden wäre.
Während der Fahrt erzählte ich ihr erneut von unserem Versuch und sie meinte dass wir fast schon dagewesen seien. Die linke Abzweigung die wir für falsch erachteten erwies sich als richtig und nur 2 km nach der ersten Senke wo wir umkehrten lag auch schon die Finca. Aufgrund noch 4 folgenden Senken entschied ich schon während der Fahrt das es mit dem Wohnwagen unmöglich sein würde zu dem Grundstück zu gelangen. Von dem Grundstück selber und von der dortigen Aussicht über das Tal bis zum Meer war ich begeistert und auch die Menschen vor Ort waren sehr freundlich und nett. Ich dachte sofort dass wir zumindest für einige Tage hierherkommen sollten und versuchte mit Karin eine Lösung zu finden was den Wohnwagen anginge. Wir beschlossen den Wohnwagen am Strand stehen zu lassen und zu Karin und Andreas zu ziehen. Da die beiden desöfteren nach Nerja mussten, versprachen Sie uns immer nach dem Wohnwagen zu schauen. Dies war für uns beruhigend genug für die ersten Tage. Durch einen Bekannten der beiden hatten wir dann die Möglichkeit den Wohnwagen auf einem bewachten Parkplatz abzustellen, sodass unser Wohnwagen nicht alleine am Strand stehen musste. So erreichten wir schließlich noch unser geplantes Ziel: Das Work&Travel Yoga-Retreat Rio de la Miel. Das wir schließlich 2 Monate hier verbringen würden war uns zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar

Frank

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